Genau hier beginnt für uns das eigentliche Problem.
Ein Bürgerbegehren ist eines der wenigen Instrumente, mit denen Bürger zwischen Wahlen unmittelbar Einfluss auf eine kommunalpolitische Entscheidung nehmen können. Mehr als 5.000 Triererinnen und Trierer hatten dieses Instrument genutzt. Die Stadt bestätigte, dass das notwendige Quorum erreicht worden war.
Statt in einer derart knappen und rechtlich umstrittenen Situation den Weg für weitere Prüfung und politische Klärung offen zu halten, gab der Oberbürgermeister selbst die ausschlaggebende Stimme für die Unzulässigkeit ab.
Die Doppelfunktion
Oberbürgermeister. Und zugleich Vorsitzender des Verwaltungsrats der Vereinigten Hospitien.
Die Hospitien sind als Grundstückseigentümer unmittelbar in das Windenergieprojekt eingebunden; die Stadt selbst beschreibt, dass ein privater Investor Windräder auf Flächen der Vereinigten Hospitien plant.
Rechtlich hat der Oberbürgermeister seine Position in der Sitzung damit begründet, dass seine Mitgliedschaft im Verwaltungsrat nach Auffassung der Verwaltung keine Befangenheit auslöse. Politisch und moralisch bleibt für uns trotzdem eine andere Frage:
War es in dieser Konstellation wirklich angemessen, selbst die entscheidende Stimme abzugeben?
Gerade in einer Zeit, in der über Vertrauensverlust in politische Institutionen und wachsende Politikverdrossenheit diskutiert wird, erscheint uns dieser Vorgang besonders problematisch. Auch Michael Frisch griff genau diesen Zusammenhang in der Sitzung ausdrücklich auf.
Aus unserer Sicht hätte der Oberbürgermeister hier vor allem eine Rolle wahrnehmen müssen: die des direkt gewählten Repräsentanten aller Trierer Bürgerinnen und Bürger.
Ohne seine Stimme hätte es an diesem Abend keine Mehrheit für die Feststellung der Unzulässigkeit gegeben. Zugleich wäre damit nicht automatisch ein Bürgerentscheid beschlossen worden; weitere politische, kommunalaufsichtliche und gegebenenfalls gerichtliche Schritte wären möglich geblieben. Dies wurde in der Sitzung ausdrücklich erläutert.
Stattdessen entschied seine Stimme die Sache.
Mehr als 5.000 Bürger wollten mitentscheiden.
Der Rat selbst fand keine Mehrheit gegen ihr Begehren.
Erst die Stimme des Oberbürgermeisters entschied die Abstimmung.
Für uns ist das kein überzeugendes Signal für Respekt vor Bürgerbeteiligung. Es ist vielmehr genau die Art von politischem Vorgang, die erklären kann, warum Menschen das Vertrauen verlieren, dass ihre Beteiligung tatsächlich etwas bewirkt.